Dienstag, 15. August 2017

AGG gilt auch in Online-Bewerbungsportalen

Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sollen Menschen vor Benachteiligung aufgrund ihrer ethnischen Herkunft, Religion, Rasse, Weltanschauung, ihres Alters, einer Behinderung oder ihrer sexuellen Orientierung geschützt werden. Dieses Gesetz wirkt sich auch auf Stellenausschreibungen und Bewerbungen aus. So sind Bewerber beispielsweise nicht verpflichtet, auf persönliche Fragen zu Alter, Familienstand, Kindern, Religion und sexueller Orientierung etc. zu antworten.

Dies sollte auch bei Online-Bewerbungsportalen berücksichtigt werden. Denn eine Abfrage von Diskriminierungsmerkmalen könnte eventuell einen Verstoß gegen das AGG darstellen und Schadensersatzansprüche nach sich ziehen.

So hatte eine 1961 geborene deutsche Staatsangehörige nichtdeutscher Herkunft geklagt, weil u.a. die Pflichtangabe der Anrede „Herr/Frau“ in einem Onlineportal eine Diskriminierung wegen ihres Geschlechts darstelle. Auch andere Abfragen störten die Klägerin. So stelle die Pflichtangabe zu ihren „Deutschkenntnissen“ mit den Auswahlmöglichkeiten „Deutsch Muttersprache“, „Deutsch verhandlungssicher“, „Deutsch fortgeschritten“ oder „Deutsch Grundkenntnisse“ ein Indiz für eine Diskriminierung wegen ihrer ethnischen Herkunft dar. Und die Abfrage des Geburtsdatums – in diesem Fall keine Pflichtangabe – sei ein Indiz für eine Diskriminierung aufgrund des Alters. Insgesamt forderte die Klägerin eine Entschädigung in Höhe von mindestens 10.000 Euro.

Das Bundesarbeitsgericht (BAG) folgte der Argumentation nicht, sondern schloss sich der Begründungen des Arbeitgebers an. Demnach ging es bei der Abfrage der Anrede genau darum: Bewerbungen mit der zutreffenden Anrede beantworten zu können. Da bei den Sprachkenntnissen mehrere Möglichkeiten angegeben werden konnten, schloss das BAG eine Diskriminierung aufgrund der ethischen Herkunft aus und die Angabe des Geburtsdatums was freiwillig.

In diesem Fall kam der Arbeitgeber also mit einem Schrecken davon. Trotzdem zeigt das Beispiel, wie schnell es zu Klagen kommen kann. Online-Bewerbungsportale sollten entsprechend sorgfältig erstellt und die Abfragen vor dem Hintergrund des AGG überprüft werden.

Mehr zum erwähnten Fall können Sie hier nachlesen.







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