Dienstag, 31. Mai 2016

Man findet mich online, also bin ich …

Bei einer Business-Veranstaltung sprach mich ein Journalist auf mein privates soziales Engagement an. Nach kurzem Überlegen war ich mir sicher, nicht mit ihm darüber gesprochen zu haben – wir sehen uns nur ein bis zwei Mal im Jahr auf Messen und Kongressen. Dann fiel mir aber ein, dass ich entsprechende Informationen über Facebook geteilt habe – und zwar mit einer Gruppe, in der auch eben besagter Journalist von mir eingeordnet wurde.

Was bei Facebook und Google+ möglich ist – das Teilen bestimmter Informationen mit ausgewählten Menschen – funktioniert auch in Business Netzwerken. Tatsächlich achtet jedoch nicht jeder User darauf, wer was sehen kann. Vor allem dann nicht, wenn er auf Jobsuche ist und gefunden werden möchte.

Doch das ist nicht der einzige Aspekt, der Menschen dazu motiviert sich bei Facebook oder in einem der anderen sozialen Netzwerke zu registrieren, ein Nutzerprofil anzulegen und zum Teil recht private Dinge zu teilen. Hier spielen noch ganz andere Dinge eine Rolle, zum Beispiel folgende Aspekte:

  • Selbstdarstellung: In jedem von uns steckt ein kleiner Selbstdarsteller. Wir möchten zeigen, was wir können, was wir mögen und manchmal auch, was wir haben oder wie sportlich wir sind. 
  • Mitteilungsbedürfnis: Freude, Trauer oder Ärger – wir alle möchten über das, was uns bewegt, reden oder schreiben. Oder anderen durch aufmunternde Worte helfen.
  • Kontakte und Netzwerk: Nach der Schule oder der Uni ziehen Bekannte und Freunde in andere Städte. Soziale Netzwerke helfen hier, den Kontakt zu halten oder auch alte Freunde und Arbeitskollegen wiederzufinden.
  • Wissenstransfer: Wissen wird immer wichtiger – Business-Netzwerke, Communities und Foren bieten die optimale Chance, sich mit Experten auszutauschen. Sei es, um anderen zu helfen oder auch um das eigene Wissen zu erweitern.

Der Unterschied zu Online-Stellenbörsen liegt vor allem in dem Teilen von Wissen und teils privaten Informationen. Dadurch werden wir für andere Community-Mitglieder greifbarer.

Verstärkt wird dies, wenn jemand auf  wechselbereit oder auf Jobsuche ist. In dieser Phase wird er verstärkt darauf achten, dass er von Personalverantwortlichen gefunden werden kann. Und zwar über die klassischen Online-Stellenbörsen hinaus. Genau dafür eignen sich die verschiedenen sozialen Netzwerke. Denn in dieser Phase werden Kontakte besser gepflegt, das Netzwerk erweitert, das Profil optimiert und das eigene Wissen durch entsprechende Foren besser unter Beweis gestellt. Ganz nach dem Motto „Man findet mich online, also bin ich“.

Tatsächlich profitieren davon auch Personalverantwortliche von diesen Motiven: Sie finden potenzielle Kandidaten, die sich vielleicht nicht auf die vakante Position beworben hätten und können sich ein umfassenderes Bild von dem potenziellen Kandidaten zu machen. Foren-Beiträge zeigen beispielsweise, ob das gewünschte Wissen vorhanden ist und ob er von seinem Auftreten her ins Team passen könnte. Während seine Kontakte darüber Aufschluss geben, wie gut vernetzt er ist.

Übrigens schreibe ich in den sozialen Netzwerken jetzt weitaus bewusster über mein soziales Engagement. Und teile es weiterhin mit vielen Menschen, auch wenn sie „nur“ zu meinem beruflichen Umfeld gehören.

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