Dienstag, 17. Mai 2016

Mitarbeiterzufriedenheit – mehr als ein Marketingaspekt

Unzufriedene Mitarbeiter kosten Geld. Und das mehr, als man denkt. So sind demotivierte Angestellte häufiger krank als Kollegen, die sich ihrer Aufgabe gewappnet fühlen und sich gerne für ihr Unternehmen einbringen. Allein diese zusätzlichen Krankentage kosten ein Unternehmen pro Mitarbeiter durchschnittlich 110 Euro im Jahr. Das klingt erst einmal nicht erschreckend. Gehen wir jedoch von einem 100-Mann-Unternehmen mit 16 engagierten Mitarbeitern aus, ließen sich 9.570 Euro jährlich einsparen. Bei 500 Mitarbeitern wären es bereits 55.000 Euro, bei 2.000 Mitarbeitern rund 220.000 Euro und bei 30.000 Mitarbeiter sogar 3.300.000 Euro.
Wer das Gefühl hat, verheizt zu werden, hält sich zudem mit Ideen zurück. Dies wirkt sich direkt auf die Innovationskraft des Unternehmens – und damit auf die Wettbewerbsfähigkeit aus. Während Mitarbeiter ohne emotionale Bindung ihren Vorgesetzen innerhalb von sechs Monaten etwa 3,7 ihrer Ideen vortragen, stellen engagierte Mitarbeiter im gleichen Zeitraum durchschnittlich 5,2 Ideen vor. Die Innovationskraft dieser Mitarbeiter ist also um 40,5 Prozent höher.
Aspekt Nummer 3 ist die Wechselbereitschaft der Mitarbeiter. Nur 16 Prozent der Arbeitnehmer sind laut Gallup Engagement Index 2015 mit Herz, Hand und Verstand bei der Arbeit. 68 Prozent der Beschäftigten, machen Dienst nach Vorschrift und 16 Prozent der Werktätigen haben bereits innerlich gekündigt. Schlecht für den Arbeitgeber – denn je unzufriedener ein Mitarbeiter ist, umso größer ist seine Bereitschaft für einen Wechsel.
Eine solche Fluktuation bleibt natürlich nicht ohne wirtschaftliche Konsequenzen. Zum einen müssen die Positionen neu besetzt werden – dies ist mit Kosten für die Ausschreibung und Neubesetzung der Positionen sowie der Einarbeitung der neuen Mitarbeiter verbunden. Bis geeignete Kandidaten gefunden wurden, müssen bestehende Mitarbeiter die Mehrarbeit auffangen, was wiederum zu Unzufriedenheit führt. Hinzu kommen der Know-how-Verlust und eine Verstärkung des Wettbewerbs, weil das Wissen nun an anderer Stelle zur Verfügung steht.
Pro Mitarbeiter können so Fluktuationskosten in Höhe von etwa 1.314 Euro entstehen. Dies sind bei unserem Mittelständler 39.420 Euro.
Besonders ärgerlich wird es dann natürlich, wenn sich ein Unternehmen für einen Bewerber entscheidet, der von Anfang an 2. Wahl war. Stellt sich dann heraus, dass der neue Mitarbeiter nicht ins Team passt oder nicht das gewünschte Wissen mit sich bringt, wird es für die Unternehmen nochmals teuer.

Mitarbeiter als Unternehmenskapital
Viele Unternehmen haben vor diesem Hintergrund erkannt, wie wichtig es ist, die „richtigen Bewerber“ anzusprechen und diese im Unternehmen zu halten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein gezieltes Personalmarketing, zu dem unter anderem die Positionierung als „bevorzugter Arbeitgeber“ gehört, senkt langfristig die Kosten für Recruiting und Einarbeitung. Zudem wird aufgrund der höheren Mitarbeitermotivation die Produktivität und Innovationsbereitschaft erhöht.
Aufgrund der höheren Identifikation mit dem Unternehmen empfehlen zufriedene Angestellte die Produkte und Dienstleistungen ihres Arbeitgebers häufiger weiter, als unzufriedene Mitarbeiter. Zudem ist die Kundenorientierung bei Mitarbeitern mit hoher emotionaler Bindung weitaus stärker ausgeprägt als bei den Kollegen mit geringer emotionaler Bindung. Dies äußert sich nicht nur im Bestreben, die Kundenbedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen. Zufriedene Mitarbeiter nutzen Kundenreklamationen dazu, Verbesserungsmaßnahmen zu entwickeln. Mit anderen Worten: Die Mitarbeiter haben ein großes Interesse daran, das Unternehmen und seine Produkte wettbewerbsfähig zu halten.
Unternehmen profitieren von dieser Bereitschaft gleich doppelt und dreifach: Zum einen sind persönliche Weiterempfehlungen immer glaubwürdiger als Anzeigen – ganz gleich, ob es sich um Stellen- oder Werbeanzeigen handelt. Ein Effekt, der bereits seit Jahren im Bereich der PR genutzt wird, indem Unternehmen im Rahmen von Success Stories ihre Kunden zu Wort kommen lassen.
Zum anderen werden engagierte Mitarbeiter ihren Arbeitgeber nur denjenigen weiterempfehlen, den sie als Kollegen gewinnen möchten. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass der potenzielle Bewerber genauso engagiert ist, wie der werbende Mitarbeiter, hoch. Und drittens spart diese Art der Kandidatenansprache enorm viel Geld.



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