Montag, 16. April 2018

Hinschauen mit Verstand: Das Erstinterview

In Teil 3 unserer Blogserie geht es um die Einschränkung der Kandidatenauswahl durch das Erstinterview. Auch hier ist bereits Künstliche Intelligenz im Einsatz – mit Vor- und Nachteilen

Active Sourcing hat zahlreiche Vorteile. Eines ist die direkte Ansprache kompetenter Kandidaten, die auf den ersten Blick alle Wünsche des Personalverantwortlichen erfüllen. Als Profi wissen wir aber auch, dass ein Profil in einem B2B-Netzwerk wie Xing oder Linkedin ebenso wie hinterlegte Lebensläufe nur bedingt aussagekräftig sind. Die Nennung der von uns gesuchten Fähigkeiten sagt im Zweifel nichts darüber aus, wie weit sich jemand mit einem Thema oder einer Aufgabe auseinandergesetzt hat. Umso wichtiger ist deshalb ein Interview mit dem Bewerber, in dem geklärt werden kann, wie fundiert die Erfahrungen in den gewünschten Bereichen sind.
In der Regel erfolgt dieses Interview telefonisch. Es gibt auch Unternehmen, die dies per Chat machen und dabei Künstliche Intelligenz einsetzen. Dies ist nicht unkritisch zu sehen, schließlich sind nicht alle Fragen erlaubt. Der Bot sollte also wissen, dass beispielsweise die Frage nach einer Schwangerschaft tabu ist. Zum anderen gibt es strenge Datenschutzbestimmungen, die berücksichtigt werden müssen. Darauf weist unter anderem CIO hin. Demnach regelt die DSVGO, dass die Bewerberauswahl nicht alleine auf Grund einer automatisierten Verarbeitung von personenbezogenen Daten erfolgen darf. Genau dies geschieht aber, wenn der Chat mit dem Bot allein darüber entscheidet, ob ein Kandidat eine Runde weiter kommt oder eben nicht – es sei denn, der Bewerber stimmt diesem Vorgehen ausdrücklich zu. Aber selbst dies kann problematisch sein, da die Zustimmung ja quasi die Voraussetzung für die Teilnahme am Auswahlprozess wäre.
Unabhängig davon bringt ein Gespräch zwischen Menschen diverse Vorteile mit sich: Erfahrene Recruiter können ein Zögern, die Betonung bestimmter Wörter oder auch die Wortwahl ganz anders einschätzen, als ein Bot. Sie verstehen Sprachwitz besser, wissen aufgrund ihrer Personal- und Branchenerfahrung, wann sie wo einhaken sollten. Und sie spüren Unsicherheiten ebenso wie fehlende Reflexionsfähigkeit.
Das letzte Wort sollte deshalb nicht nur aus rechtlicher Sicht immer ein Mensch haben. Denn egal, wie gut entwickelt KI letztendlich ist: Um die Fähigkeiten und Eigenschaften eines Menschen einzuschätzen, seine Team- und Begeisterungsfähigkeit einschätzen zu können, braucht es mehr als die logische Analyse seiner Antworten.




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